Pünktlich zu Heligabend gibt es eine epische Weihnachtsgeschichte. In der dramatischen Komödie stellen sich die Protagonisten den Widrigkeiten der Drittliga. Durch fünf Niederlagen spielt das Lied vom Tod in den Ohren. Wie kann Herzblut in Torflut umgemünzt werden? Begleite unsere Helden auf ihrer Reise der Hoffnung.
Blut, wir brauchen frisches Blut, meinte unser Graf aus Transsiouxanien im Frühling. Stattdessen wurde der Mannschaft vom Zahn der Zeit die Pulsader geöffnet, sodass es nur so spritzte. Pesche, Sandro und Lars pulste es ins Fanionteam, Mäsi-Häsi macht auf Crocodile Dundee, Beni und Raphi zogen ihr Mannschaftsblut für den Eigengebrauch ab, nur um es dann bei der ersten Altherren-Biketour in Schulter-Hämatomen oder in Gedanken an ein viertes Kind zu verschwenden. Die neu geschaffene Kleinfeldmannschaft führt zudem zu Kannibalismus zwischen dem "Zwää" und dem "Dröi", man frisst sich gegenseitig die grosszügig marmorierten Lendenstücke ab. Aderlass galt bis ins 18. Jahrhindert als gesund, aber da lag die durchschnittliche Lebenserwartung auch bei 30. Woher also neues Blut nehmen, ohne in die Beschaffungskriminalität oder Leichenfledderei abzudriften? Anfragen an spanische Veloärzte und österreichische Langlauftrainer blieben unbeantwortet. Wie auch in anderen Branchen fehlen Fachkräfte, der Blutmarkt ist ausgetrocknet. So blieb nur der Aufruf ans eigene Knochenmark, um eine Tabellenthrombose zu verhindern. Mit Büschi und Silsi konnten zwei vielversprechende Spender reanimiert werden. Reicht das aus, um den Patienten zu retten?
UHA – EFS 3:15
Die Mannschaft startete allen Widerständen zum Trotz konzentriert und mit viel Dynamik in die Meisterschaft. Das harte und intensive Sommertraining hatte sich ausbezahlt. Die jungen und talentierten Spieler flitzten wie flüchtiges Niederwild durch die Halle, verzückten durch technische Finesse und unbändigen Zug aufs Tor. Augenschnalzer hier, Zungenweide dort. Ein perfekter Start.
Leider handelt es sich dabei um eine Beschreibung der gegnerischen Mannschaft und das verheisst nichts Gutes. Jesse hatte sich sein Debut wohl anders vorgestellt. Man merke: Im Sprintduell nützt die Erfahrung wenig und gegen eine hoffnungslose Überlegenheit kann auch sie nichts ausrichten, ausser vielleicht im souveränen Umgang mit der Niederlage. 15:3 ergibt 5 und mindestens 5-mal besser war die Rheintaler Bubenriege auch als die Appenzeller Männerfitness. Einen Ueli Rotach suchte man beim Stossduell vergebens, immerhin erschien nach Abpfiff Karl Locher samt Flaschengeist Quölli in der Garderobe.
UHA – Tägerwilen 5:4
Siegen ohne zu glänzen ist eine wichtige Eigenschaft von grossen Mannschaften. In einem ebenbürtigen Duell zwangen wir das Glück auf unsere Seite. Statt immer nur Pässe und Schüsse zu üben, sollten wir vielleicht intensive Glückseinheiten fix in unseren Trainingsplan aufnehmen, um in den Spielen verlässlich darauf zurückgreifen zu können. Lars stiftete abermals drei Tore, woraufhin alle Spieler zum spontanen Erntedankfest aufs Feld stürmten und ihrer nordischen Gottheit entsprechend huldigten.
UHA – Frauenfeld 2:3
Mit ihren Schnabelschuhen und Brustharnischen sehen Torhütern immer ein wenig aus wie mittelalterliche Chevaliers oder hippe Imker. Er ist ein eher scheues Wesen, mit gezieltem Klopfen auf die Handoberflächen ("Tatzen"), kann man ihn jedoch aus dem Gehäuse locken. Er kann sich mit Auswürfen ins Spiel bringen, die bestenfalls aus dem Handgelenk und nicht aus den Bronchien kommen. Der Torhüter hat sich im Laufe der Zeit vom stehenden zum knieenden Wesen zurückentwickelt. Seine Bewegungen muten bisweilen wohl auch deshalb echsenartig an, er lurcht sozusagen durch das Tor. Nach einem Training bei tropischer Hitze stinken seine Kleider auch wie die Mundschleimhaut eines Komodo-Warans. Molchi Koller und Lurchi Büsch werden mir die Ausdrucksweise verzeihen. Lurchi feierte (den Kurzeinsatz gegen EFS einmal ausgeklammert) mit starken Paraden gegen einen spielerisch überlegenen Gegner ein beeindruckendes Debüt. An der Verteidigung lag es defensitiv nicht. Man merke: Zwei Tore in 60 Minuten – beziehungsweise ein Tor in 59 Minuten und 59 Sekunden – reichen selten zum Sieg. Der Ansatz „Qualität vor Quantität“ mag in vielen Lebensbereichen löblich sein, beim Toreschiessen bringt er keinen Vorteil.
UHA – Wyland 4:3
In einem attraktiven Spiel wogte es hin und her. Dank eines beherzten Auftritts im letzten Drittel hatte der UHA das bessere Ende auf seiner Seite. Mario - der aus dem Fass, nicht der von der Gasse - brillierte dabei mit drei Skorerpunkten.
Der UHA holte in diesem Spiel inspirierende 5 Strafen. Pehr Henrik Ling dürfte den wenigsten Lesern ein Begriff sein und doch prägte er den Sport in entscheidender Weise, als er anfangs des 19. Jahrhunderts den Schwedenkasten entwickelte. Erst durch die Einführung der passenden Strafvollzugseinrichtung konnte gut 150 Jahre später die dazugehörige Sportart erfunden werden. Glücklicherweise ist die Haftdauer im Schwedenkerker relativ kurz, die Haftbedingungen ohne sanitäre Einrichtungen aus Menschenrechtsperspektive eher problematisch. Ling wollte das schwedische Volk mit Gymnastik und Poesie erneuern, viele Schiedsrichter blenden beim Vollzug das Lyrische aber komplett aus und verzichten bei der Urteilssprechung auf den fünfhebigen Jambus. Er gilt im Übrigen auch als Miterfinder der klassischen Massage, einer Bestrafungsform, die bei mir als gelegentlicher Bandenhelfer deutlich mehr Zuspruch erhalten würde.
UHA – Mörschwil 2:7
Spieler, die gemeinsam auf dem Feld stehen, werden Block genannt. Vermutlich, weil sie im Idealfall zusammenhalten wie Granit. Wie man aus dem Spitalwesen weiss, ist der Mensch vom Härtegrad aber keine klassische Gesteinsart. Insbesondere in der Drittliga sind die Menschenblöcke häufig verkalkte Sedimente aus früheren Erdenzeitalter, die unter gegnerischem Druck nicht zu Diamanten reifen, sondern schnell schluffig werden. Die Mörschwiler waren in diesem Spiel wesentlich gneisiger und fühlten sich im Appenzeller Kieswerk sichtbar wohl. Anno dazumals hatte sich der UHA im Spiel gegen die Mörschwiler den Aufstieg in die Drittliga gesichert. Die Spiele in der Viertliga waren stets umkämpft, oft sogar hitzig. Bevor wir gehässig werden konnten, waren die überlegenen Mörschwiler Tabalugas in diesem Spiel resultatmässig bereits entflogen.
UHA – Heiden 4:6
Weggeputzt wurde in diesem Spiel nur der Dreck in der Drittelspause. Wenn die Erwähnung eines Wischeinsatzes im Spielbericht das Highlight aus Appenzeller Sicht darstellt, spricht das nicht für die Qualität des Gezeigten. Der mit dem Besen tanzt (Schmidiclean GmbH), konnte dank seinem stängelartigen Körperwuchs erst auf den zweiten Blick vom Stiel unterschieden werden und nur, weil die wenigsten Stiele Bärte tragen. Auch ein sehenswertes Tor von Meister Mopper konnte die enttäuschende Niederlage nicht wegwischen.
UHA - Züri Oberland Pumas 3:6
Offensichtlich ging im Innerrhodischen die berüchtigte Sackangst um, im Fachjargon auch Chlaustrophobie genannt, denn es fanden sich zum Spiel am 06. Dezember gerade einmal 10 Feldspieler und 1 Torhüter ein. 40 Minuten spielte der Tenpack ansprechend, dennoch war das Glas nach 20 Minuten halbleer, da man sich vom clever spielenden Gegner vorführen und 5 Tore einschenken liess.
Erwähnenswert ist das Debut von Yannic "Papillon" Schrepfer, der nur äusserlich an den letzten Mohikaner erinnert. Somit stellt der TV Stein mit vier torgeilen Spielern die grösste Fraktion im Team, weit vor dem Funkenverein Ried und den Ultras vom Einhorn-Trachtenverein aus dem Südquartier. Es laufen daher Überlegungen den Verein in UH Appenstein, UH Stääppenzell oder UH Appenrhoden umzubenennen.
Fazit: Der Zustand ist mit fünf Niederlagen aus sieben Spielen kritisch, aber noch nicht lebensbedrohlich. Das Blut muss in der zweiten Saisonhälfte wallen. Dr. Sutter, der Arzt, dem die Grauen vertrauen, ist zuversichtlich, dass mit geeigneten Eingriffen der Blutsturz in die vierte Liga verhindert werden kann. Dabei sollen auch neuartige Techniken, wie die Verpflanzung von Siegergenen, beispielweise aus dem in der Landwirtschaft äusserst erfolgreichen Japankäfer, zur Anwendung kommen. Man darf auf den Fortschritt gespannt sein.
